Künzelsau für Menschlichkeit: Rede Dr. Wolfgang Jörger

Aktionsbündnis "Künzelsau für Menschlichkeit"

Samstag, 13.02.2016

„Künzelsau – Hauptstadt der Weltmarktführer“ so tönt es allenthalben von Plakaten und Programmen.

Viel schöner wäre zu hören: „Künzelsau Stadt der Menschlichkeit“

Noch vor 75 Jahren flohen Einwohner unseres Landes in die rettende Ferne, um den Bedrohungen und den „Unmenschlichkeiten“ des Deutschen Reiches zu entkommen. Damals haben wir Hass gesät und Schrecken nach ganz Europa getragen.

Die Welt hat sich gewehrt. Deutschland war zum Feindbild geworden. Die Hoffnung, die „Deutsche Rasse“ würde zur Führungselite Europas und zu einem Maßstab menschlicher Qualität werden, wurde gründlich und entschlossen besiegt und beendet.

Und danach sind wahnsinnige, fast unglaubliche Dinge geschehen. Ein Teil unserer Feinde hat uns wieder aufgeholfen vom zerstörten Boden und hat Überleben und Wiederaufbau gefördert. Noch etwas ganz Großartiges ist geschehen: Wir haben uns ein neues Gesetz gegeben und das Fundament für eine Demokratie erstellt. Wir haben inneren Frieden mit unseren Feinden nach außen und innen geschlossen. Unsere damals erarbeitete Staatsverfassung wird noch heute von vielen großen Leuten dieser Welt als eine der modernsten und freiheitlichsten Verfassungen gesehen. Sie war und ist ein Vorbild für demokratisches Denken und Handeln und sie hat uns zu Frieden, Wohlstand und Anerkennung geführt.

Künzelsau für Menschlichkeit: Rede Dieter Hummel
Herr Hummel bei der Ansprache Foto: saknus

Aktionsbündnis „Künzelsau für Menschlichkeit“

Samstag,13.02.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

einige von Ihnen kennen mich als Schulleiter des Schlossgymnasiums, eines Gymnasiums, das stolz darauf ist, offiziell anerkannt zu sein als so genannte SORSMC-Schule. Als „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Weil wir uns als Schule aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit wenden, wurde uns dieser ehrenhafte Titel verliehen und deshalb hätte ich genug Gründe, als Schulleiter zu Ihnen sprechen. Dies darf ich jedoch nicht, in meiner Funktion muss ich neutral sein.

Deshalb betone ich ausdrücklich, dass ich hier nicht als Schulleiter des Schlossgymnasiums stehe, sondern als Privatperson, als Bürger und als Nachbar von Flüchtlingen, die bei uns in Ingelfingen untergebracht wurden.

Seit einer guten Woche sind die 34 neue Nachbarn eingezogen. Zumeist sind es Familien aus Syrien, dazu kommen Afghanen und Palästinenser. Sie wurden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft im ehemaligen Gasthaus „Rose“ untergebracht, direkt an einer belebten Kreuzung, an der Bushaltestelle und gegenüber der Apotheke und einem Metzgergeschäft.  

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